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AGSB - October 1998

5. Treffen der Sinica-Bibliothekare 15.10. - 16.10.1997

Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Fachbereich 11 Philologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Protokoll: Klaus Gottheiner)

1. Begrüßung und Selbstvorstellung der Teilnehmer | 2. EASL-Konferenz in Cambridge | 3. Neues aus den Staatsbibliotheken | 4. Internationalisierung der Regelwerke / Neues Verbundsystem Horizon | 5. Mehrschriftlichkeit in deutschen Verbünden / Pinyin-Orthographie | 6. Kostenpflichtige Datenbanken im Internet | 7. Zusammenschluß der CJK-Bibliothekare / Professionalisierung im Bereich der Institutsbibliotheken | 8. SSELP und andere WWW-Datenbanken

Teilnehmerliste

Alfons Dufey, Bayerische Staatsbibliothek, Ostasienabteilung, München
Reinhard Emmerich, Prof. Dr., Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Münster
Uta Freiburger, Humboldt-Universität zu Berlin
Thomas Gaiser, Seminar für Sinologie und Koreanistik, Bibliothek, Universität Tübingen
Sebastian Gault, Sinologisches Seminar, Universität Bonn
Werner Gerstenberger, Universitätsbibliothek Trier
Klaus Gottheiner, Universitätsbibliothek Trier
Luise Hoffmann, HBZ Köln
Günter Hupfer, HBZ Köln
Uwe Kotzel, Insitut für Asienkunde Hamburg
Anne Labitzky-Wagner, Landesspracheninstitut NRW (Sinicum), Bibliothek, Bochum
Ute Labus, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Hanno Lecher, Sinologisches Seminar, Heidelberg
Imke Mees, Museum für Ostasiatische Kunst, Köln
Monique Nagel-Angermann, Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Münster
Kira Rohde-Liebenau, Fakultät für Ostasienwissenschaften, Bibliothek Sinica, Bochum
Friederike Schimmelpfennig (vormals Bertelt), Sinological Serials in European Libraries Project (SSELP), Heidelberg
Helwig Schmidt-Glintzer, Prof. Dr., Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel
Katharina Schneider, Bibliothek des Insituts für Sinologie, Wien
Michael Schütte, Fakultät für Ostasienwissenschaften, Bibliothek Sinica, Bochum
Richard Teschke, Uni München, Institut für Ostasienkunde
Britta Woldering, Refrendarin, Bibliotheksschule Frankfurt/Main
Deike Zimmann, Universität Hamburg

Annette Specht und Hermann Kogelschatz haben sich entschuldigt.

1. Begrüßung und Selbstvorstellung der Teilnehmer

Die Teilnehmer des Sinica-Treffens wurden von Herrn Prof. Emmerich im Institut für Sinologie und Ostasienkunde begrüßt.

Zur Eröffnung des Treffens erklärte der Tagungsleiter Herr Gerstenberger (UB Trier), daß sich für die Sinica-Bibliothekare immer mehr die folgende Alternative abzeichne: entweder suchen sie weiterhin im eigenen Bereich nach mehr oder weniger handgestrickten Lösungen und behalten damit ihre Isoliertheit von dem bibliothekarischen "Mainstream" (sprich: den Verbünden) bei, oder sie versuchen, ihre Probleme auf der leistungsfähigeren Basis der Verbundsysteme zu lösen. Diese böten die Möglichkeit von Shared Cataloging, Nutzung von Normdateien und zentralem Nachweis der einzelnen Bestände.

Letzteres hieße dann einerseits, die spezifischen Forderungen (Unicode usw.) gemeinsam an die Verbünde heranzutragen, deren Erfüllung dann eine Bedingung für die Teilnahme an einer Verbundkatalogisierung wären. Größere Durchschlagskraft würde hierbei vielleicht eine Zusammenarbeit mit den KollegInnen aus dem japanischen und koreanischen Bereich verleihen. Andererseits würde dies auch eine stärkere Professionalisierung der Katalogisierung erfordern, da die Verbundsysteme mit einer einheitlichen Regelwerksanwendung stehen und fallen.

Unter diesem Zeichen solle das diesjährige Treffen stehen.

Anschließend stellten die Teilnehmer kurz die gegenwärtige Lage ihrer Bibliotheken vor. Dabei wurde deutlich, daß nach wie vor große Probleme auf dem Gebiet der Vernetzung und der unterschiedlichen Katalogisierungsformate und -datenbanken bestehen. An Verbundsystemen nimmt bisher als sinologische Institutsbibliothek nur die des Sinologischen Instituts in Hamburg (nur für westlichsprachige Bestände) teil. Im Rahmen einschichtiger Bibliothekssysteme werden die sinologischen Bestände der UBB Düsseldorf, Duisburg und Trier im HBZ-Verbundkatalog (allerdings noch ohne Schriftzeicheneingabe) erfaßt und in Trier auch nach RSWK verschlagwortet.

2. EASL-Konferenz in Cambridge

Herr Gottheiner (UB Trier) berichtete über die diesjährige EASL-Tagung in Cambridge (9.-12. 9. 1998). Anschließend wurde anläßlich des von Prof. Wagner (Heidelberg) der EASL-Tagung übermittelten Vorschlags, EASL- und EACS-Tagung künftig gemeinsam stattfinden zu lassen, über Möglichkeiten diskutiert, bei der nächsten EACS-Tagung von Seiten der EASL mit einem gebündelten Forderungskatalog zur Verbesserung der bibliothekarischen Situation an die Wissenschaftler heranzutreten.

3. Neues aus den Staatsbibliotheken

Wie Herr Dufey (BSB München) erklärte, besteht zwischen der BSB und der Staatsbibliothek Berlin ein genereller Konsens darüber, daß die BSB in Zukunft mit DFG-Unterstützung verstärkt das Gebiet Alt-Ostasien sammeln solle. Ungeklärt ist dabei die Frage der genauen Abgrenzung und der Verteilung der Mittel. Die ursprünglich von Seiten der BSB vorgeschlagene Aufteilung des Sondersammelgebiets Ostasien in Alt-Ostasien (München) und Neu-Ostasien (Berlin) war nicht umsetzbar, die Diskussion hierzu ist jedoch nach Herrn Dufeys Ansicht noch nicht beendet. Eine Eingabe der CJK-Zeitschriftenbestände der BSB in die ZDB ist geplant, jedoch erst nach Glasfaserverkabelung des Gebäudes in etwa einem Jahr möglich. Ein Antrag an die Chiang-Ching-Kuo-Stiftung, die Retrokatalogisierung von Altbeständen der Abteilung durch eine Firma in den USA zu unterstützen, wurde abgelehnt.

Herr Streffer konnte leider nicht anwesend sein, um über die Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin berichten. Ihr chinesischer Katalog ist aber inzwischen zusammen mit dem des Seminars für Sinologie und Koreanistik, Abteilung Sinologie, Tübingen, und dem des Instituts für Orientalistik, Abt. für Sinologie, Kiel, auf dessen Bibliotheks-OPAC-Seite im WWW abrufbar.

In der Diskussion bemerkte Herr Prof. Schmidt-Glinzer (HAB Wolfenbüttel), daß die Sondersammelgebietsbibliotheken ebensowenig wie die DFG aus ihrer Verpflichtung entlassen werden dürften, die Literaturversorgung innerhalb dieser Fächer sicherzustellen. Es handele sich um einen Fall notwendiger staatlicher Vorsorge und mithin um eine nationale Aufgabe, zu verhindern, daß im immer intensiver werdenden Informationsaustausch mit Ostasien die deutsche Seite aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen ihre Konkurrenzfähigkeit verliert.

4. Internationalisierung der Regelwerke / Neues Verbundsystem Horizon

Frau Hoffmann (HBZ und Mitglied der Expertengruppe RAK) schilderte die gegenwärtigen Bemühungen zur Weiterentwicklung der RAK-WB, besonders im Hinblick auf mögliche Angleichungen an die angloamerikanischen Katalogisierungsregeln (AACR2). Diese sind wichtig im Hinblick auf einen leichteren Datenaustausch. Besonders ausführlich ging sie dabei ein auf die Angleichung bzw. Verknüpfung der jeweiligen Normdateien, z.B. der Körperschaftsdateien und Personennamendateien. Eine Angleichung der Ansetzungen ist angestrebt, wenn auch nicht um jeden Preis. Ggf. kann eine deutsche Ansetzungsform auch als Verknüpfung in die geplante gemeinsame Normdatei eingebracht werden.

Herr Hupfer (HBZ) erläuterte das System HORIZON, die geplante neue Verbundsoftware in den regionalen Verbünden HBZ, SWB und BVB, die nach den "Empfehlungen der DFG zur Migration der deutschen Bibliotheksverbünde" neben PICA die zweite deutsche Verbundsoftwarelösung werden soll. Ein wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Lösungen in den genannten Verbünden wird die Online-Kommunikation zwischen Primärdatenbank und Lokalsystemen sein. Institute, die am Verbund teilnehmen, müssen an das Lokalsystem der Universität angeschlossen sein und über das Betriebssystem Windows NT verfügen; die Katalogisierungssoftware wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Bibliotheken, die nicht das Horizon-Lokalsystem verwenden, können über Z39.50 mit dem Zentralsystem kommunizieren. Die Einspielung der Altdaten erfolgt über einen Import im MAB2-Datenformat. Ein Problem könnte sich für Insitutsbibliotheken dabei durch die unterschiedlichen Allegro- und sonstigen Formate ergeben.

Der interne Zeichensatz des Servers ist UNICODE; er ermöglicht die Darstellung von etwa 60.000 Zeichen, so daß die Eingabe von Originalschriften vom System her gewährleistet ist (für das Chinesische sind etwa 20.000 Codierungen vorhanden; in Japan wird bereits ein Extended Unicode [EUC] verwendet). Jedoch unterstützt MAB2 bislang noch nicht UNICODE.

Es wurde daraufhin beschlossen, über die Sinica-Mailing-List Forderungen bezüglich Ergänzungen der MAB2-Felder in Richtung UNICODE, abweichende Transkriptionssystem u.a. gemeinsam zu erstellen. Diese Liste sollte zwecks größeren Gewichts von den Institutsleitern auf deren nächstem Treffen befürwortet und dann von Herrn Gerstenberger an das HBZ weitergeleitet werden.

Bei dieser Gelegenheit wurde von Hamburger Seite angemerkt, daß im GBV keinerlei Wille vorhanden ist, dem Wunsch von Sinica-Bibliotheken nach Wiedergabe von Schriftzeichen im Verbundkatalog entgegenzukommen, obgleich diese Möglichkeit in Form eines Moduls im CHINABASE-OPAC des PICA-Teilnehmers Sinologisches Institut Leiden realisiert ist.

Zur praktischen Erläuterung der Nachteile, die mit dem noch gänzlichen Fehlen einer Normierung im ostasienwissenschaftlichen Bibliotheksbereich in Deutschland (wie auch weitestgehend in Europa) verbunden sind, demonstrierte Herr Gerstenberger anhand von sehr heterogenen Suchergebnissen in deutschen sinologischen WWW-OPACs die Notwendigkeit normierter Personennamensansetzungen im Rahmen von Normdateien (untersucht wurden der sinologische Katalog der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, des Instituts für Orientalistik, Abt. für Sinologie, Kiel und des Seminars für Sinologie und Koreanistik, Abteilung Sinologie, Tübingen mit gemeinsamen Zugang (s.o.), ferner die Kataloge des Sinologischen Seminars Heidelberg und des Sinologischen Insituts München, sowie, als Beispiel für eine normierte Personennamenansetzung, der HBZ-WWW-OPAC).

Sinn solcher Normierungen ist die Ablage aller möglichen Suchformen unter einer Namensform (name authority). Wo dies nicht der Fall ist, ist der Benutzer gezwungen, unter mehreren möglichen Ansetzungen eines Autorennamens zu suchen, so er denn überhaupt auf diese Idee kommt und diese Ansetzungsalternativen überdies kennt oder im Moment der Suche sich gerade vergegenwärtigen kann. Nur wo eine Verknüpfung mit Normdateien gegeben ist (Beispiel: WWW-OPACs der Verbundsysteme, Sammelzugang unter dem Karlsruher virtuellen Katalog), wird der Benutzer von einem nicht-normierten Suchbegriff automatisch auf die Normansetzung und damit zu allen unter diesem Begriff zu findenden Bestände geführt. [Nachtrag: die deutschen Verbundsysteme arbeiten unter Federführung der Deutschen Bibliothek an der nationalen deutschen Personennamendatei (PND) mit, die dereinst im Rahmen der Regelwerksinternationalisierung gemeinsam mit anderen nationalen Personennamendateien mit der amerikanischen Library Of Congress Authority File (Authors) eine gemeinsame Datei bilden soll [vgl. TOP 4, Absatz 1]). Diese Normierung und geplante Internationalisierung erstreckt sich selbstverständlich nicht nur auf Personennamen, sondern auch auf Körperschaftsnamen (worunter auch die Kongresse fallen - die entsprechende deutsche Normdatei ist die GKD) und die Schlagwortansetzungen (Normdatei: SWD). Geplant ist evtl. auch eine Titeldatei. Die amerikanischen Entsprechungen siehe wie oben schon angegeben unter Library Of Congress Authority File.

Herr Lecher will in diesem Sinne die im Heidelberger vorliegenden multiplen Formen für ein und dieselbe Person (z.B. Wang An-i und Wang Anyi) im Laufe der nächsten Zeit auf eine Form zusammenführen und von der Alternativform eine Verweisung machen. Solche vorbereitenden Arbeiten sind im Rahmen der Möglichkeiten für alle Institutsbibliotheken zu empfehlen.

5. Mehrschriftlichkeit in deutschen Verbünden / Pinyin-Orthographie

Wie Herr Dufey berichtete, ist die auf dem 4. Sinica-Treffen in Tübingen (1997) formulierte Empfehlung an die DFG, durch Vergabe von Mitteln für entsprechend qualifizierte Personalstellen in den Verbundzentralen die Einführung mehrschriftlicher Katalogisierung in den Verbünden zu unterstützen, von der DFG abschlägig beantwortet worden; statt dessen kam aus Bonn der Ratschlag, die Institute mögen sich sämtlich an RLIN anschließen.

Angesichts des negativen Bescheids der DFG schlug Herr Dufey vor, über die beiden Saatsbibliotheken ein DFG-finanziertes Expertenkolloquium zum Thema Mehrschriftlichkeit unter Beteiligung von RLIN- und OCLC-Vertretern einzuberufen, mit dem Ziel, die Optionen der Experten gegeneinander abzuwägen. Hieran müsse sich ein DFG-anschubfinanziertes Projekt anschließen, das eine dieser Optionen ausprobiert. Ein ähnliches Kolloquium habe vor zehn Jahren die Entscheidung für den Gebrauch von Pinyin herbeigeführt und den "gordischen Knoten" in der Umschriftfrage durchschnitten.

Herr Gerstenberger wies darauf hin, daß die Library of Congress ihre Katalogisierung zur Zeit auf die Pinyin-Umschrift umstellt. Dieser an sich begrüßenswerte Schritt werde jedoch durch die Entscheidung der LOC beeinträchtigt, statt Wortaggregierung Einzelsilben zu verwenden ("http://lcweb.loc.gov/catdir/lccn/lccn0612.html#4"). Da die nächste EASL-Tagung erst in einem Jahr stattfindet, wurde erwogen,ein gemeinsames Votum für die Wortaggregierung über die CJK-L-Liste herbeizuführen. Allerdings gibt es auch innerhalb der EASL-Bibliotheken keine Einheitlichkeit (Cambridge praktiziert ebenfalls die Wortsegregation). [Nachtrag: Inzwischen ist die Entscheidung zugunsten der Einzelsilbenschreibung gefallen.]

Zum Thema Wortaggregation empfahl Herr Gerstenberger die folgenden Quellen und Nachschlagewerke, die alle auf den unten zuerst aufgeführten offiziellen Regeln basieren:

  • "Hanyu pinyin zhengcifa jiben guize (1988)" (mit deutscher Übersetzung abgedruckt in: "Lachner, Anton: Die Rechtschreiberegeln der chinesischen Lautumschrift (1), in: Chinesisch und Computer, 1989,3, S. 25-48"
  • · "Hanyu pinyin fenlei pinxie juli" (Systematisch geordnete Beispiele zur Pinyinschreibung) In: "Yuwen wenzi yinyong, 1993,1, S. 109-111, 1993,2, S. 110-112, 1993,3, S. 110-112, 1993,4, S. 106-108, 1994,1, S. 111, 1994,2, S. 110-111"
  • · "Hanyu pinyin cihui. - (1989 nian chongbian ben). - Beijing : Yuwen Chubanshe, 1991. - 5, 821 S."
  • · "ABC Chinese English dictionary : alphabetically based computerized / ed. John DeFrancis. - Honolulu : Univ. of Hawai'i Press, 1996. - XIX, 897 S. - Parallelt. in chines. Schr.: Han-Ying cidian. -ISBN 0-8248-1744-3"
  • · "Zhonghua Renmin Gongheguo diminglu / Zhongguo Diming Weiyuanhui bian. [Zhubian Wang Jitong]. - 1 ban, 1 yinshua. - [Beijing] : Zhongguo Shehui Chubanshe, 1994. - 20, 1035 S.. - Übers. d. Hauptsacht.: Register der Ortsnamen der VR China. - In chines. Schr.. - ISBN 7-80088-395-7 (Enthält die offiziellen Pinyin-Schreibungen für die chinesischen Ortsnamen, wobei die Schreibungen für die nichtchinesischen Ortsnamen zumindest für Verweisungsformen in den Normdateien SWD und GKD berücksichtigt werden sollten, z.B. "Nei Mongol Zizhiqu", "Ürümqi").

6. Kostenpflichtige Datenbanken im Internet

Im Januar 1998 wurde auf dem Institutsleitertreffen in Trier beschlossen, einen Antrag an die DFG zu richten des Inhalts, die einzelnen Institute mit Mitteln zur Erwerbung relevanter Datenbanken auf CD-ROM auszustatten. Laut Herrn Gerstenberger ist dies jedoch der falsche Weg: die DFG setze generell auf "große Lösungen", d.h. auf die Unterstützung der Sondersammelgebiete, nicht einzelner Institute. Es müßten von der DFG also eher Schritte zur Verbesserung der Situation an der Staatsbibliothek zu Berlin gefordert werden, was allerdings zuallererst Aufgabe der SBB selbst sei. Diese Forderung müsse sich im Rahmen des DFG-Förderprojektes "Informationsvermittlung durch SSG-Internetdienste" (vgl. DFG-Memorandum Weiterentwicklung der überregionalen Literaturversorgung und "Reinhard Rutz: SSG-Programm, Virtuelle Fachbibliotheken und das Förderkonzept der DFG" in "Bibliothek. Forschung und Praxis, 22(1998) Nr. 3, S. 303-308" [pdf-Datei]) bewegen. Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag von Herrn Dufey, eine andere Bibliothek interimistisch die Aufgabe einer Zentrale für die Vorhaltung elektronischer Informationen übernehmen zu lassen, solange Berlin dazu technisch nicht in der Lage ist, und den DFG-Antrag entsprechend zu formulieren. Herr Prof. Emmerich als einer der Teilnehmer am Institutsleitertreffen erklärte sich bereit, zunächst an die SSB die Anfrage zu richten, ob sie willens und in der Lage sei, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Im Falle einer negativen Antwort will er die Institutsleiter auf ihrer nächsten Konferenz bitten, einen DFG-Antrag im Sinne von Herrn Dufey zu formulieren.

7. Zusammenschluß der CJK-Bibliothekare / Professionalisierung im Bereich der Institutsbibliotheken

Durch einen engeren Zusammenschluß der CJK-Bibliothekare sollte es möglich sein, den eigenen Forderungen bezüglich gleichgearteter Probleme größeres Gewicht zu verleihen.
Mit der European Association of Japanese Resource Specialists ist eine Kontaktaufnahme geplant. Für die koreanistischen Kollegen ist z.Zt. keine Vereinigung bekannt. Frau Rohde-Liebenau teilt mit, daß die Koreanistik-Professur in Bochum demnächst neu besetzt wird; es ist zu hoffen, daß auch unsere koreanistischen KollegInnen dadurch eine breitere Basis gewinnen.

Diskutiert wurde eine mögliche verstärkte Beschäftigung bibliothekarisch ausgebildeter Mitarbeiter, auch im Zusammenhang mit einer möglichen Reform der zweischichtigen Bibliothekssysteme.

Doch da angesichts der schlechten Stellenaussichten der Professionalisierungsbedarf im Institutsbibliotheksbereich wohl kaum annähernd gestillt werden kann, wurde darauf verwiesen, daß sich in Zukunft viele Fragen ersatzweise im Rahmen der Verbünde lösen lassen könnten, die ja auf dem Prinzip gegenseitiger Unterstützung arbeiten (z.B von den Verbundzentren angebotene Fortbildungsmaßnahmen wie etwa Einführung in RAK WB oder gegenseitige Hilfe bei der Katalogisierung durch Shared Cataloging oder Mailboxen).

8. SSELP und andere WWW-Datenbanken

Frau Schimmelpfennig (SSELP, Heidelberg) referierte über die gegenwärtige Rechtslage bezüglich elektronischer Publikationen, Datenbanken im Internet und Online-Nutzungen elektronischer Dokumente. Weiterhin demonstrierte sie den gegenwärtigen Stand des SSELP (Sinological Serials in European Libraries) -Projektes.
In der Diskussion bemerkte Herr Gerstenberger, daß das Fehlen von Normdateiverknüpfungen in SSELP die Benutzung erschwere und eine spätere Überführung der Daten in Verbunddatenbanken verhindere. Auch könne die Existenz einer weiteren Zeitschriftendatenbank neben der ZDB und jeweiligen anderen nationalen Zeitschriftendatenbanken dazu führen, daß wegen der damit verbundenen Doppelarbeit die relevanten Zeitschriftenbestände nicht mehr in diesen auftauchten.
Anders gesagt, sollten die sinologischen Bibliotheken der einzelnen europäischen Staaten versuchen, zunächst an die eigenen nationalen Zeitschriftendatenbanken zu melden (soweit vorhanden), und dabei die spezifischen Bedürfnisse gerade dort einzubringen.
Da die internationalen Datenbanken im Zeichen des Internets in der nahen Zukunft zwangsläufig ihre Zeichensätze auf Unicode umstellen müssen , könnten hier die ostasienbezogenen Bibliotheken sogar als wichtige Initiatoren auftreten.
Der geplante übernationale Retrievalstandard (über die Angleichung der nationalen Regelwerke und Normdatenbanken und über die transparente Datenbankschnittstelle Z 39.50) wurde dann eine konsistente übernationale Suche ermöglichen.

In den Verbunddatenbanken ist zudem meist auch die Möglichkeit der Dokumentendirektbestellung gegeben (vgl. z.B. für Deutschland "ZDB order" und für Großbritannien die Datenbank "British Library Serials", beides Zugang über DBI-Link.

Herr Lecher (Heidelberg) stellte die reaktivierte und jetzt nur noch (kostenpflichtig) online verfügbare Bibliography of Asian Studies Online vor, die die Nachfolge der bis zum Berichtszeitraum 1991 erschienenen Papierausgabe darstellt. Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat sie abonniert und für den ganzen Campus benutzbar gemacht.

Des weiteren präsentierte Herr Lecher in Heidelberg im Aufbau begriffene Datenbank chinesischsprachiger Filme im deutschsprachigen Raum vor ("China Film Resources").

Herr Kogelschatz (Tübingen), der an dem Treffen nicht teilnehmen konnte, übermittelte eine Übersicht über den jetzigen Stand des von Tübingen und München betriebenen Projekts der Baibu-congshu-Erschließung.

 

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Matthias Kaun

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