
AGSB - October 1998
5. Treffen der Sinica-Bibliothekare 15.10. - 16.10.1997
Institut für
Sinologie und Ostasienkunde, Fachbereich 11 Philologie, Westfälische
Wilhelms-Universität Münster (Protokoll: Klaus Gottheiner)
1. Begrüßung und Selbstvorstellung der Teilnehmer
| 2. EASL-Konferenz in Cambridge | 3. Neues
aus den Staatsbibliotheken | 4. Internationalisierung
der Regelwerke / Neues Verbundsystem Horizon | 5. Mehrschriftlichkeit
in deutschen Verbünden / Pinyin-Orthographie | 6.
Kostenpflichtige Datenbanken im Internet | 7. Zusammenschluß
der CJK-Bibliothekare / Professionalisierung im Bereich der Institutsbibliotheken
| 8. SSELP und andere WWW-Datenbanken
Teilnehmerliste
Alfons Dufey, Bayerische Staatsbibliothek,
Ostasienabteilung, München
Reinhard Emmerich, Prof. Dr.,
Institut für Sinologie und Ostasienkunde, Münster
Uta Freiburger, Humboldt-Universität
zu Berlin
Thomas Gaiser, Seminar
für Sinologie und Koreanistik, Bibliothek, Universität Tübingen
Sebastian Gault, Sinologisches Seminar,
Universität Bonn
Werner Gerstenberger, Universitätsbibliothek
Trier
Klaus Gottheiner, Universitätsbibliothek
Trier
Luise Hoffmann, HBZ Köln
Günter Hupfer, HBZ Köln
Uwe Kotzel, Insitut
für Asienkunde Hamburg
Anne Labitzky-Wagner,
Landesspracheninstitut NRW (Sinicum), Bibliothek, Bochum
Ute Labus, Universitäts-
und Landesbibliothek Düsseldorf
Hanno Lecher, Sinologisches
Seminar, Heidelberg
Imke Mees, Museum für
Ostasiatische Kunst, Köln
Monique Nagel-Angermann, Institut
für Sinologie und Ostasienkunde, Münster
Kira Rohde-Liebenau,
Fakultät für Ostasienwissenschaften, Bibliothek Sinica, Bochum
Friederike Schimmelpfennig
(vormals Bertelt), Sinological Serials in European Libraries Project (SSELP),
Heidelberg
Helwig Schmidt-Glintzer, Prof. Dr.,
Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel
Katharina Schneider, Bibliothek
des Insituts für Sinologie, Wien
Michael Schütte,
Fakultät für Ostasienwissenschaften, Bibliothek Sinica, Bochum
Richard Teschke, Uni
München, Institut für Ostasienkunde
Britta Woldering, Refrendarin,
Bibliotheksschule Frankfurt/Main
Deike Zimmann, Universität
Hamburg
Annette Specht und Hermann Kogelschatz
haben sich entschuldigt.
1. Begrüßung und Selbstvorstellung der
Teilnehmer
Die Teilnehmer des Sinica-Treffens wurden von Herrn Prof. Emmerich im
Institut für Sinologie und Ostasienkunde begrüßt.
Zur Eröffnung des Treffens erklärte der Tagungsleiter Herr
Gerstenberger (UB Trier), daß sich für die Sinica-Bibliothekare
immer mehr die folgende Alternative abzeichne: entweder suchen sie weiterhin
im eigenen Bereich nach mehr oder weniger handgestrickten Lösungen
und behalten damit ihre Isoliertheit von dem bibliothekarischen "Mainstream"
(sprich: den Verbünden) bei, oder sie versuchen, ihre Probleme auf
der leistungsfähigeren Basis der Verbundsysteme zu lösen. Diese
böten die Möglichkeit von Shared Cataloging, Nutzung von Normdateien
und zentralem Nachweis der einzelnen Bestände.
Letzteres hieße dann einerseits, die spezifischen Forderungen
(Unicode usw.) gemeinsam an die Verbünde heranzutragen, deren Erfüllung
dann eine Bedingung für die Teilnahme an einer Verbundkatalogisierung
wären. Größere Durchschlagskraft würde hierbei vielleicht
eine Zusammenarbeit mit den KollegInnen aus dem japanischen und koreanischen
Bereich verleihen. Andererseits würde dies auch eine stärkere
Professionalisierung der Katalogisierung erfordern, da die Verbundsysteme
mit einer einheitlichen Regelwerksanwendung stehen und fallen.
Unter diesem Zeichen solle das diesjährige Treffen stehen.
Anschließend stellten die Teilnehmer kurz die gegenwärtige
Lage ihrer Bibliotheken vor. Dabei wurde deutlich, daß nach wie vor
große Probleme auf dem Gebiet der Vernetzung und der unterschiedlichen
Katalogisierungsformate und -datenbanken bestehen. An Verbundsystemen nimmt
bisher als sinologische Institutsbibliothek nur die des Sinologischen Instituts
in Hamburg (nur für westlichsprachige Bestände) teil. Im Rahmen
einschichtiger Bibliothekssysteme werden die sinologischen Bestände
der UBB Düsseldorf,
Duisburg
und Trier
im HBZ-Verbundkatalog
(allerdings noch ohne Schriftzeicheneingabe) erfaßt und in Trier
auch nach RSWK verschlagwortet.
2. EASL-Konferenz in Cambridge
Herr Gottheiner (UB Trier) berichtete über die diesjährige
EASL-Tagung in Cambridge
(9.-12. 9. 1998). Anschließend wurde anläßlich des
von Prof. Wagner (Heidelberg) der EASL-Tagung übermittelten Vorschlags,
EASL- und EACS-Tagung künftig gemeinsam stattfinden zu lassen, über
Möglichkeiten diskutiert, bei der nächsten EACS-Tagung von Seiten
der EASL mit einem gebündelten Forderungskatalog zur Verbesserung
der bibliothekarischen Situation an die Wissenschaftler heranzutreten.
3. Neues aus den Staatsbibliotheken
Wie Herr Dufey (BSB München) erklärte, besteht zwischen der
BSB und der Staatsbibliothek Berlin ein genereller Konsens darüber,
daß die BSB in Zukunft mit DFG-Unterstützung verstärkt
das Gebiet Alt-Ostasien sammeln solle. Ungeklärt ist dabei die Frage
der genauen Abgrenzung und der Verteilung der Mittel. Die ursprünglich
von Seiten der BSB vorgeschlagene Aufteilung des Sondersammelgebiets Ostasien
in Alt-Ostasien (München) und Neu-Ostasien (Berlin) war nicht umsetzbar,
die Diskussion hierzu ist jedoch nach Herrn Dufeys Ansicht noch nicht beendet.
Eine Eingabe der CJK-Zeitschriftenbestände der BSB in die ZDB ist
geplant, jedoch erst nach Glasfaserverkabelung des Gebäudes in etwa
einem Jahr möglich. Ein Antrag an die Chiang-Ching-Kuo-Stiftung,
die Retrokatalogisierung von Altbeständen der Abteilung durch eine
Firma in den USA zu unterstützen, wurde abgelehnt.
Herr Streffer konnte leider nicht anwesend sein, um über die Ostasienabteilung
der Staatsbibliothek zu Berlin berichten. Ihr chinesischer Katalog ist
aber inzwischen zusammen mit dem des Seminars für Sinologie und Koreanistik,
Abteilung Sinologie, Tübingen, und dem des Instituts für Orientalistik,
Abt. für Sinologie, Kiel, auf dessen Bibliotheks-OPAC-Seite
im WWW abrufbar.
In der Diskussion bemerkte Herr Prof. Schmidt-Glinzer (HAB Wolfenbüttel),
daß die Sondersammelgebietsbibliotheken ebensowenig wie die DFG aus
ihrer Verpflichtung entlassen werden dürften, die Literaturversorgung
innerhalb dieser Fächer sicherzustellen. Es handele sich um einen
Fall notwendiger staatlicher Vorsorge und mithin um eine nationale Aufgabe,
zu verhindern, daß im immer intensiver werdenden Informationsaustausch
mit Ostasien die deutsche Seite aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen
ihre Konkurrenzfähigkeit verliert.
4. Internationalisierung der Regelwerke / Neues
Verbundsystem Horizon
Frau Hoffmann (HBZ
und Mitglied der Expertengruppe RAK) schilderte die gegenwärtigen
Bemühungen zur Weiterentwicklung der RAK-WB, besonders im Hinblick
auf mögliche Angleichungen an die angloamerikanischen Katalogisierungsregeln
(AACR2). Diese sind wichtig im Hinblick auf einen leichteren Datenaustausch.
Besonders ausführlich ging sie dabei ein auf die Angleichung bzw.
Verknüpfung der jeweiligen Normdateien, z.B. der Körperschaftsdateien
und Personennamendateien. Eine Angleichung der Ansetzungen ist angestrebt,
wenn auch nicht um jeden Preis. Ggf. kann eine deutsche Ansetzungsform
auch als Verknüpfung in die geplante gemeinsame Normdatei eingebracht
werden.
Herr Hupfer (HBZ) erläuterte das System HORIZON,
die geplante neue Verbundsoftware in den regionalen Verbünden HBZ,
SWB und BVB, die nach den "Empfehlungen
der DFG zur Migration der deutschen Bibliotheksverbünde"
neben PICA die zweite deutsche Verbundsoftwarelösung werden soll.
Ein wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Lösungen in den genannten
Verbünden wird die Online-Kommunikation zwischen Primärdatenbank
und Lokalsystemen sein. Institute, die am Verbund teilnehmen, müssen
an das Lokalsystem der Universität angeschlossen sein und über
das Betriebssystem Windows NT verfügen; die Katalogisierungssoftware
wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Bibliotheken, die nicht das
Horizon-Lokalsystem verwenden, können über Z39.50
mit dem Zentralsystem kommunizieren. Die Einspielung der Altdaten erfolgt
über einen Import im MAB2-Datenformat. Ein Problem könnte sich
für Insitutsbibliotheken dabei durch die unterschiedlichen Allegro-
und sonstigen Formate ergeben.
Der interne Zeichensatz des Servers ist UNICODE; er ermöglicht
die Darstellung von etwa 60.000 Zeichen, so daß die Eingabe von Originalschriften
vom System her gewährleistet ist (für das Chinesische sind etwa
20.000 Codierungen vorhanden; in Japan wird bereits ein Extended Unicode
[EUC] verwendet). Jedoch unterstützt MAB2 bislang noch nicht UNICODE.
Es wurde daraufhin beschlossen, über die Sinica-Mailing-List Forderungen
bezüglich Ergänzungen der MAB2-Felder
in Richtung UNICODE, abweichende Transkriptionssystem u.a. gemeinsam zu
erstellen. Diese Liste sollte zwecks größeren Gewichts von den
Institutsleitern auf deren nächstem Treffen befürwortet und dann
von Herrn Gerstenberger an das HBZ weitergeleitet werden.
Bei dieser Gelegenheit wurde von Hamburger Seite angemerkt, daß
im GBV keinerlei Wille vorhanden ist, dem Wunsch von Sinica-Bibliotheken
nach Wiedergabe von Schriftzeichen im Verbundkatalog entgegenzukommen,
obgleich diese Möglichkeit in Form eines Moduls im CHINABASE-OPAC
des PICA-Teilnehmers Sinologisches Institut Leiden realisiert ist.
Zur praktischen Erläuterung der Nachteile, die mit dem noch gänzlichen
Fehlen einer Normierung im ostasienwissenschaftlichen Bibliotheksbereich
in Deutschland (wie auch weitestgehend in Europa) verbunden sind, demonstrierte
Herr Gerstenberger anhand von sehr heterogenen Suchergebnissen in deutschen
sinologischen WWW-OPACs die Notwendigkeit normierter Personennamensansetzungen
im Rahmen von Normdateien (untersucht wurden der sinologische Katalog der
Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, des Instituts für
Orientalistik, Abt. für Sinologie, Kiel und des Seminars für
Sinologie und Koreanistik, Abteilung Sinologie, Tübingen mit gemeinsamen
Zugang (s.o.), ferner die Kataloge des Sinologischen
Seminars Heidelberg und des Sinologischen
Insituts München, sowie, als Beispiel für eine normierte
Personennamenansetzung, der HBZ-WWW-OPAC).
Sinn solcher Normierungen ist die Ablage aller möglichen Suchformen
unter einer Namensform (name authority). Wo dies nicht der Fall ist, ist
der Benutzer gezwungen, unter mehreren möglichen Ansetzungen eines
Autorennamens zu suchen, so er denn überhaupt auf diese Idee kommt
und diese Ansetzungsalternativen überdies kennt oder im Moment der
Suche sich gerade vergegenwärtigen kann. Nur wo eine Verknüpfung
mit Normdateien gegeben ist (Beispiel: WWW-OPACs der Verbundsysteme, Sammelzugang
unter dem Karlsruher
virtuellen Katalog), wird der Benutzer von einem nicht-normierten Suchbegriff
automatisch auf die Normansetzung und damit zu allen unter diesem Begriff
zu findenden Bestände geführt. [Nachtrag: die deutschen Verbundsysteme
arbeiten unter Federführung der Deutschen
Bibliothek an der nationalen deutschen Personennamendatei
(PND) mit, die dereinst im Rahmen der Regelwerksinternationalisierung
gemeinsam mit anderen nationalen Personennamendateien mit der amerikanischen
Library Of Congress Authority File
(Authors) eine
gemeinsame Datei bilden soll [vgl. TOP 4, Absatz 1]).
Diese Normierung und geplante Internationalisierung erstreckt sich selbstverständlich
nicht nur auf Personennamen, sondern auch auf Körperschaftsnamen (worunter
auch die Kongresse fallen - die entsprechende deutsche Normdatei ist die
GKD) und die Schlagwortansetzungen
(Normdatei: SWD). Geplant
ist evtl. auch eine Titeldatei. Die amerikanischen Entsprechungen siehe
wie oben schon angegeben unter Library
Of Congress Authority File.
Herr Lecher will in diesem Sinne die im Heidelberger vorliegenden multiplen
Formen für ein und dieselbe Person (z.B. Wang An-i und Wang Anyi)
im Laufe der nächsten Zeit auf eine Form zusammenführen und von
der Alternativform eine Verweisung machen. Solche vorbereitenden Arbeiten
sind im Rahmen der Möglichkeiten für alle Institutsbibliotheken
zu empfehlen.
5. Mehrschriftlichkeit in deutschen Verbünden
/ Pinyin-Orthographie
Wie Herr Dufey berichtete, ist die auf dem 4. Sinica-Treffen in Tübingen
(1997) formulierte Empfehlung an die DFG, durch Vergabe von Mitteln für
entsprechend qualifizierte Personalstellen in den Verbundzentralen die
Einführung mehrschriftlicher Katalogisierung in den Verbünden
zu unterstützen, von der DFG abschlägig beantwortet worden; statt
dessen kam aus Bonn der Ratschlag, die Institute mögen sich sämtlich
an RLIN anschließen.
Angesichts des negativen Bescheids der DFG schlug Herr Dufey vor, über
die beiden Saatsbibliotheken ein DFG-finanziertes Expertenkolloquium zum
Thema Mehrschriftlichkeit unter Beteiligung von RLIN- und OCLC-Vertretern
einzuberufen, mit dem Ziel, die Optionen der Experten gegeneinander abzuwägen.
Hieran müsse sich ein DFG-anschubfinanziertes Projekt anschließen,
das eine dieser Optionen ausprobiert. Ein ähnliches Kolloquium habe
vor zehn Jahren die Entscheidung für den Gebrauch von Pinyin herbeigeführt
und den "gordischen Knoten" in der Umschriftfrage durchschnitten.
Herr Gerstenberger wies darauf hin, daß die Library of Congress
ihre Katalogisierung zur Zeit auf die Pinyin-Umschrift umstellt. Dieser
an sich begrüßenswerte Schritt werde jedoch durch die Entscheidung
der LOC beeinträchtigt, statt Wortaggregierung Einzelsilben zu verwenden
("http://lcweb.loc.gov/catdir/lccn/lccn0612.html#4").
Da die nächste EASL-Tagung erst in einem Jahr stattfindet, wurde erwogen,ein
gemeinsames Votum für die Wortaggregierung über die CJK-L-Liste
herbeizuführen. Allerdings gibt es auch innerhalb der EASL-Bibliotheken
keine Einheitlichkeit (Cambridge praktiziert ebenfalls die Wortsegregation).
[Nachtrag: Inzwischen ist die Entscheidung zugunsten der Einzelsilbenschreibung
gefallen.]
Zum Thema Wortaggregation empfahl Herr Gerstenberger die folgenden Quellen
und Nachschlagewerke, die alle auf den unten zuerst aufgeführten offiziellen
Regeln basieren:
- "Hanyu pinyin zhengcifa jiben guize (1988)" (mit deutscher
Übersetzung abgedruckt in: "Lachner, Anton: Die Rechtschreiberegeln
der chinesischen Lautumschrift (1), in: Chinesisch und Computer, 1989,3,
S. 25-48"
- · "Hanyu pinyin fenlei pinxie juli" (Systematisch
geordnete Beispiele zur Pinyinschreibung) In: "Yuwen wenzi yinyong,
1993,1, S. 109-111, 1993,2, S. 110-112, 1993,3, S. 110-112, 1993,4, S.
106-108, 1994,1, S. 111, 1994,2, S. 110-111"
- · "Hanyu pinyin cihui. - (1989 nian chongbian ben).
- Beijing : Yuwen Chubanshe, 1991. - 5, 821 S."
- · "ABC Chinese English dictionary : alphabetically based
computerized / ed. John DeFrancis. - Honolulu : Univ. of Hawai'i Press,
1996. - XIX, 897 S. - Parallelt. in chines. Schr.: Han-Ying cidian. -ISBN
0-8248-1744-3"
- · "Zhonghua Renmin Gongheguo diminglu / Zhongguo Diming
Weiyuanhui bian. [Zhubian Wang Jitong]. - 1 ban, 1 yinshua. - [Beijing]
: Zhongguo Shehui Chubanshe, 1994. - 20, 1035 S.. - Übers. d. Hauptsacht.:
Register der Ortsnamen der VR China. - In chines. Schr.. - ISBN 7-80088-395-7
(Enthält die offiziellen Pinyin-Schreibungen für die chinesischen
Ortsnamen, wobei die Schreibungen für die nichtchinesischen Ortsnamen
zumindest für Verweisungsformen in den Normdateien SWD und GKD berücksichtigt
werden sollten, z.B. "Nei Mongol Zizhiqu", "Ürümqi").
6. Kostenpflichtige Datenbanken im Internet
Im Januar 1998 wurde auf dem Institutsleitertreffen in Trier beschlossen,
einen Antrag an die DFG zu richten des Inhalts, die einzelnen Institute
mit Mitteln zur Erwerbung relevanter Datenbanken auf CD-ROM auszustatten.
Laut Herrn Gerstenberger ist dies jedoch der falsche Weg: die DFG setze
generell auf "große Lösungen", d.h. auf die Unterstützung
der Sondersammelgebiete, nicht einzelner Institute. Es müßten
von der DFG also eher Schritte zur Verbesserung der Situation an der Staatsbibliothek
zu Berlin gefordert werden, was allerdings zuallererst Aufgabe der SBB
selbst sei. Diese Forderung müsse sich im Rahmen des DFG-Förderprojektes
"Informationsvermittlung durch SSG-Internetdienste" (vgl. DFG-Memorandum
Weiterentwicklung der überregionalen Literaturversorgung und
"Reinhard Rutz: SSG-Programm, Virtuelle Fachbibliotheken und das
Förderkonzept der DFG" in "Bibliothek.
Forschung und Praxis, 22(1998) Nr. 3, S. 303-308" [pdf-Datei])
bewegen. Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag von Herrn Dufey, eine
andere Bibliothek interimistisch die Aufgabe einer Zentrale für die
Vorhaltung elektronischer Informationen übernehmen zu lassen, solange
Berlin dazu technisch nicht in der Lage ist, und den DFG-Antrag entsprechend
zu formulieren. Herr Prof. Emmerich als einer der Teilnehmer am Institutsleitertreffen
erklärte sich bereit, zunächst an die SSB die Anfrage zu richten,
ob sie willens und in der Lage sei, eine solche Aufgabe zu übernehmen.
Im Falle einer negativen Antwort will er die Institutsleiter auf ihrer
nächsten Konferenz bitten, einen DFG-Antrag im Sinne von Herrn Dufey
zu formulieren.
7. Zusammenschluß der CJK-Bibliothekare /
Professionalisierung im Bereich der Institutsbibliotheken
Durch einen engeren Zusammenschluß der CJK-Bibliothekare sollte
es möglich sein, den eigenen Forderungen bezüglich gleichgearteter
Probleme größeres Gewicht zu verleihen.
Mit der European
Association of Japanese Resource Specialists ist eine Kontaktaufnahme
geplant. Für die koreanistischen Kollegen ist z.Zt. keine Vereinigung
bekannt. Frau Rohde-Liebenau teilt mit, daß die Koreanistik-Professur
in Bochum demnächst neu besetzt wird; es ist zu hoffen, daß
auch unsere koreanistischen KollegInnen dadurch eine breitere Basis gewinnen.
Diskutiert wurde eine mögliche verstärkte Beschäftigung
bibliothekarisch ausgebildeter Mitarbeiter, auch im Zusammenhang mit einer
möglichen Reform der zweischichtigen Bibliothekssysteme.
Doch da angesichts der schlechten Stellenaussichten der Professionalisierungsbedarf
im Institutsbibliotheksbereich wohl kaum annähernd gestillt werden
kann, wurde darauf verwiesen, daß sich in Zukunft viele Fragen ersatzweise
im Rahmen der Verbünde lösen lassen könnten, die ja auf
dem Prinzip gegenseitiger Unterstützung arbeiten (z.B von den Verbundzentren
angebotene Fortbildungsmaßnahmen wie etwa Einführung in RAK
WB oder gegenseitige Hilfe bei der Katalogisierung durch Shared Cataloging
oder Mailboxen).
8. SSELP und andere WWW-Datenbanken
Frau Schimmelpfennig (SSELP, Heidelberg) referierte über die gegenwärtige
Rechtslage bezüglich elektronischer Publikationen, Datenbanken im
Internet und Online-Nutzungen elektronischer Dokumente. Weiterhin demonstrierte
sie den gegenwärtigen Stand des SSELP
(Sinological Serials in European Libraries) -Projektes.
In der Diskussion bemerkte Herr Gerstenberger, daß das Fehlen von
Normdateiverknüpfungen in SSELP die Benutzung erschwere und eine spätere
Überführung der Daten in Verbunddatenbanken verhindere. Auch
könne die Existenz einer weiteren Zeitschriftendatenbank neben der
ZDB und jeweiligen anderen nationalen Zeitschriftendatenbanken dazu führen,
daß wegen der damit verbundenen Doppelarbeit die relevanten Zeitschriftenbestände
nicht mehr in diesen auftauchten.
Anders gesagt, sollten die sinologischen Bibliotheken der einzelnen europäischen
Staaten versuchen, zunächst an die eigenen nationalen Zeitschriftendatenbanken
zu melden (soweit vorhanden), und dabei die spezifischen Bedürfnisse
gerade dort einzubringen.
Da die internationalen Datenbanken im Zeichen des Internets in der nahen
Zukunft zwangsläufig ihre Zeichensätze auf Unicode umstellen
müssen , könnten hier die ostasienbezogenen Bibliotheken sogar
als wichtige Initiatoren auftreten.
Der geplante übernationale Retrievalstandard (über die Angleichung
der nationalen Regelwerke und Normdatenbanken und über die transparente
Datenbankschnittstelle Z 39.50) wurde dann eine konsistente übernationale
Suche ermöglichen.
In den Verbunddatenbanken ist zudem meist auch die Möglichkeit
der Dokumentendirektbestellung gegeben (vgl. z.B. für Deutschland
"ZDB order" und für Großbritannien die Datenbank "British
Library Serials", beides Zugang über DBI-Link.
Herr Lecher (Heidelberg) stellte die reaktivierte und jetzt nur noch
(kostenpflichtig) online verfügbare Bibliography
of Asian Studies Online vor, die die Nachfolge der bis zum Berichtszeitraum
1991 erschienenen Papierausgabe darstellt. Die Universitätsbibliothek
Heidelberg hat sie abonniert und für den ganzen Campus benutzbar gemacht.
Des weiteren präsentierte Herr Lecher in Heidelberg im Aufbau begriffene
Datenbank chinesischsprachiger Filme im deutschsprachigen Raum vor ("China
Film Resources").
Herr Kogelschatz (Tübingen), der an dem Treffen nicht teilnehmen
konnte, übermittelte eine Übersicht über den jetzigen Stand
des von Tübingen und München betriebenen Projekts der Baibu-congshu-Erschließung.
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